SAP & ERP2026-09-09

SAP ECC 2027: Was das Ende der Mainstream-Maintenance bedeutet

Am 31. Dezember 2027 endet die Mainstream-Maintenance für die Kernanwendungen der SAP Business Suite 7, zu der SAP ECC gehört. Das System läuft danach weiter. Es ändern sich aber Umfang und Kosten der Wartung. Für Schnittstellen, die Daten aus SAP lesen, gilt zudem schon jetzt eine eigene Frist.

Stand: Oktober 2026

Was 2027 genau bedeutet

Die Aussage „SAP ECC läuft 2027 aus“ ist verkürzt. Für ERP 6.0 mit EHP 0 bis 5 endete die reguläre Wartung am 31. Dezember 2025. SAP wartet die Kernanwendungen der SAP Business Suite 7 regulär bis zum 31. Dezember 2027. Danach gibt es je nach Vertrag diese Wege:

  • Bis 31. Dezember 2027: Mainstream-Maintenance, der reguläre Support
  • 1. Januar 2028 bis 31. Dezember 2030: Extended Maintenance, optional und gegen Aufpreis
  • Ab 2028 ohne Extended Maintenance, sonst ab 2031: Customer-Specific Maintenance mit deutlich eingeschränktem Umfang
  • 2031 bis 2033: SAP ERP, private edition, transition option, ein befristetes Angebot für sehr große Kunden

Extended Maintenance wird nicht automatisch gewährt. Sie gilt für die Kernanwendungen der Business Suite 7 und die zugehörigen Add-ons innerhalb der Landschaft.

In der Customer-Specific Maintenance gibt es vor allem Hilfe bei bekannten Fehlern. Neue Korrekturen und Anpassungen stehen nur noch eingeschränkt zur Verfügung.

Die Transition Option bis 2033

Die Transition Option ist keine allgemeine Verlängerung für ECC. SAP richtet sie an die größten und komplexesten Kunden, die ihren Wechsel nicht bis Ende 2030 abschließen können. Voraussetzungen sind unter anderem:

  • Wechsel zu SAP ERP, private edition bis 31. Dezember 2030
  • SAP HANA als einzige Datenbank
  • eine Systemgröße von mindestens 2 TB
  • Abschluss des Max-Success-Plans

Drei Wege zu SAP S/4HANA

Für den Wechsel gibt es drei grundlegende Ansätze:

  • Brownfield (System Conversion): Das bestehende ECC-System wird technisch nach S/4HANA überführt. Historische Daten, Organisationsstrukturen und Eigenentwicklungen bleiben erhalten.
  • Greenfield (Neuimplementierung): S/4HANA wird neu eingeführt. Prozesse werden neu festgelegt, Daten gezielt übernommen.
  • Selective Data Transition: Ausgewählte Daten, Gesellschaften oder Prozesse werden übernommen, andere neu aufgebaut.

Auch bei einer System Conversion bleibt nicht alles, wie es war. Welche Funktionen und Datenstrukturen sich ändern, beschreibt SAP in der Simplification List.

Was sich im System ändert

Die Simplification List umfasst mehrere hundert Einträge. Einige betreffen fast jede Installation:

  • Datenbank: S/4HANA läuft nur auf SAP HANA.
  • Buchhaltung: Das Universal Journal (Tabelle ACDOCA) führt Daten zusammen, die in ECC auf mehrere Tabellen verteilt waren.
  • Bestandsführung: Materialbelege stehen in der Tabelle MATDOC statt in MKPF und MSEG.
  • Materialnummer: Das Feld ist bis zu 40 Zeichen lang statt 18.
  • Preisfindung: Konditionen im Vertrieb stehen in PRCD_ELEMENTS statt in KONV.
  • Stammdaten: Kunden und Lieferanten werden über den Business Partner geführt.

Business Partner statt Kunde und Lieferant

In SAP ECC werden Kunden und Lieferanten als getrennte Stammsätze geführt. In SAP S/4HANA ist der Business Partner das führende Objekt. Kunden- und Lieferantenrollen hängen an diesem Geschäftspartner.

Für eine System Conversion verlangt SAP die Customer-Vendor-Integration (CVI). Sie überführt die bestehenden Kunden- und Lieferantenstammsätze in Business Partner und hält beide synchron.

Doppelte Sätze, abweichende Anschriften, Steuer- und Bankdaten oder unvollständige Stammsätze fallen spätestens hier auf. Schnittstellen, Formulare und Workflows, die mit Kunden- oder Lieferantennummern arbeiten, sind mit betroffen.

Was das für Schnittstellen bedeutet

Schnittstellen und Programme, die direkt auf ECC-Tabellen zugreifen, lesen nach dem Wechsel teils an der falschen Stelle. Eine Extraktion aus MSEG oder KONV findet die Daten in S/4HANA nicht mehr dort. Ein Fremdsystem, das Materialnummern mit 18 Zeichen erwartet, scheitert an längeren Nummern.

Klassische Wege bleiben in S/4HANA erhalten: BAPIs, IDocs und RFC-Bausteine bleiben grundsätzlich nutzbar. Änderungen nennt die Simplification List. Dazu kommen OData-Dienste und CDS-Views. Über sie stellt S/4HANA Daten in einer festgelegten, von SAP gepflegten Struktur bereit.

Clean Core: Wo Erweiterungen künftig laufen

SAP verfolgt das Prinzip Clean Core. Der Standard bleibt möglichst unverändert, Erweiterungen laufen über festgelegte Wege. Seit 2025 ordnet SAP Erweiterungen in vier Stufen ein:

  • Stufe A: ABAP Cloud und freigegebene Schnittstellen, im System oder auf der SAP Business Technology Platform (BTP)
  • Stufe B: klassische, dokumentierte Schnittstellen wie BAPIs, IDocs und RFC
  • Stufe C: Zugriffe auf interne SAP-Objekte ohne Stabilitätszusage
  • Stufe D: Modifikationen und Zugriffe auf Objekte, die SAP nicht für Erweiterungen vorsieht

Je höher die Stufe, desto eher bleibt eine Erweiterung bei künftigen Updates unverändert lauffähig. Erweiterungen der Stufe A laufen oft ganz außerhalb des SAP-Systems und greifen nur über Schnittstellen zu.

ODP über RFC: eine eigene Frist

Unabhängig von 2027 gilt eine Frist für Datenextraktionen. Laut SAP-Hinweis 3255746 sind die RFC-Bausteine der ODP-Schnittstelle nur für den Datenaustausch zwischen SAP-Anwendungen vorgesehen. Werkzeuge von Drittanbietern und eigene Programme dürfen sie nicht nutzen.

Im April 2026 hat SAP den Hinweis überarbeitet. Mit dem SAP Security Patch Day am 9. Juni 2026 hat SAP mit SAP-Hinweis 3748819 nicht erlaubte Aufrufe gesperrt. Das Opt-out gilt bis Dezember 2026, danach SAP-Hinweis 3731818. Betroffen sind ECC, S/4HANA und SAP BW.

Datenextraktionen in Data Warehouses, Analyse- oder Planungswerkzeuge brauchen deshalb einen anderen Weg. SAP nennt dafür ODP über OData und die SAP Business Data Cloud. Weitere Wege führen über CDS-Views.

Seovantis liefert neue Anbindungen und Erweiterungen außerhalb des SAP-Kerns, für ECC wie für S/4HANA. Entwickelt wird in der Regel außerhalb Ihres SAP-Systems, mit Testdaten oder Mock-Services der Schnittstellen: SAP-Anbindungen für ECC und S/4HANA

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